Sammelgebiete

Sammelgebiete der Mitglieder

Außer den „klassischen“ Sammelgebieten eines philatelistischen Vereins – Länder, Themen, Motive – kennzeichnet die Gothaer Philatelisten ein breites Interessenspektrum von der Philatelie und Postgeschichte, von der Marke zum Beleg. Darin hat Gotha in seiner bis 1890 zurückreichenden Geschichte eine reiche Tradition.

Die Numismatiker im Verein untersuchen die Wechselwirkungen zwischen der Philatelie und Postgeschichte mit der Münz- und Geldgeschichte. Daneben gibt es spezielle Themen und Motivinteressen, die die Brücke zur thematischen Philatelie schlagen. Dazu gehört die Erfassung der mit Gotha verbundenen historischen und zeitgenössischen Medaillenanlässe.

Informationen zu den einzelnen Sammelgebieten der Mitglieder sind über den Vorstand zu erfragen.

Gedenkmedaille zum 300. Geburtstag von Conrad Ekhof vorgestellt  

Unser Vereinsmitglied und Numismatiker Dr. Wolfgang Steguweit hatte zum Knätschabend am Donnerstag, dem 16. Januar 2020 den anwesenden Sammlerfreundinnen und -freunden das erste Exemplar „Probeprägung“ der, von der Kulturstiftung Gotha aufgelegten, Gedenkmedaille zum 300. Geburtstag von Conrad Ekhof vorgestellt.

Anlass ist der 300. Geburtstag von Conrad Ekhof der, am Hofe von Herzog Ernst II. von Sachsen-Gotha-Altenburg 1775 in Gotha, das erste stehende deutsche Hoftheater als Direktor leitete. Gotha begeht dieses Jubiläum mit zahlreichen Veranstaltungen und Sonderausstellungen im Rahmen des jährlich stattfindenden Ekhof-Festivals vom 3.Juli bis 29. August 2020.

Die Idee einer temporären Ausstellung im Kunstforum zu Schauspielern/Musikern/Theater auf Briefmarken, Münzen, Medaillen, Ansichtskarten in Verbindung mit dem 300. Geburtstag von Conrad Ekhof kam im Verein schon zu Beginn des Jahres 2019 auf. Engagiert wurde darüber mit den Philatelisten und Numismatikern im Vorstand unter Leitung unseres am 28. Mai 2019 verstorbenen Vereinsvorsitzenden Eckehard Fromm diskutiert.

 

Nach erfolgreicher Einwerbung einer namhaften, zweckgebundenen Spende im Mai vergangenen Jahres von der am 19. Juli verstorbenen kunstinteressierten Gothaer Bürgerin Dagmar Wieczorek durch Dr. Steguweit konnte die Idee einer Gedenkmedaille für Ekhof reifen.  Wolfgang Steguweit trug als Mitglied des  Kuratoriums der Kulturstiftung Gotha auf deren Sitzung am 19. August die Idee einer Ekhofmedaille vor und wurde mit der Realisierung vom Oberbürgermeister Knut Kreuch als Vorsitzender der Kulturstiftung autorisiert.

Nach der Sommerpause trug er das Medaillenprojekt und erste Gestaltungsüberlegungen im Verein vor, die mit dem namhaften Künstlerehepaar Hoyer Berlin/Baltschik Schritt für Schritt entwickelt wurden. An den Ideen einer Kombination Ausstellung im Kunstforum bei gleichzeitiger Medaillenpräsentation beteiligten sich rege die Mitglieder des Vorstands und begrüßten einen Gestaltungsentwurf, der das Porträt Ekhofs in Verbindung mit der Bühne des Ekhoftheaters zeigt.“

Den Rohentwurf (Gipsabdruck) konnten wir zum Knätschabend im Dezember 2019 bereits bestaunen. Die nunmehr vorliegende erste Probeprägung der Gedenkmedaille zeigt auf der Vorderseite das Porträt von Conrad Ekhof und im Hintergrund das Bühnenbild des Ekhoftheaters. Diese Idee favorisierte  insbesondere auch Sammlerfreund Hans-Joachim Möller.

Die Rückseite zeigt das bewährte Motiv des Gothaer Rathauses. Der Rand enthält die Geburts- und Sterbeorte und Daten Ekhofs.

Die in Feinsilber geprägte Medaille wird von der Staatlichen Münze Berlin, mit einer Auflage von vorerst 150 Exemplaren, 15 zusätzlich in vergoldetem Feinsilber, hergestellt.

Der Verkauf soll während des Ekhof-Festivals und zu einer von unserem Verein in der Zeit vom 2. bis 5. Juli 2020 geplanten Ausstellung im Kunstforum Gotha erfolgen.

Der Verkaufspreis steht derzeit noch nicht endgültig fest.

Die Medaille fand bereits reges Interesse unter den Mitgliedern des BSV Gotha 1890 e.V. und Gästen.

Erste Vorbestellungen liegen bereits vor. Weitere Interessenten können sich beim Vorstand des BSV Gotha 1890 e.V. vormerken lassen. 

Text: Dr. Wolfgang Steguweit / Klaus-Dieter Erdmann
Foto: Dr. Wolfgang Steguweit

Sammelgebiet Postgeschichte

Liebe Sammlerfreunde, liebe Freunde des Briefmarken-Sammler-Vereins Gotha 1890 e.V,  Werte Besucher,
auf dieser Seite stellen wir Beiträge der Mitglieder des BSV Gotha 1890 e.V. zu unterschiedlichen Sammelgebieten vor.

Beiträge

1.  Postverkehr und Nachrichtenübermittlung in Gotha vor 400 Jahren mehr…

Autor: Dr. Wolfgang Steguweit, BSV Gotha 1890 e.V.

2. Briefliche Vorladung zur Sitzung der Landstände 1647 nach Gotha

Autor: Dr. Wolfgang Steguweit, BSV Gotha 1890 e.V.

3. Eine künstlerisch gestaltete Blattsammlung zur Währungsreform 1948 in Thüringen.Eckehard Fromm zum 6. April 2020

Autor: Dr. Wolfgang Steguweit, BSV Gotha 1890 e.V.

4. 150 Jahre – Zweigbahn Gotha – Langensalza – Mühlhausen – Leinefelde (11. April 1870 – 11.April 2020) /  Bedeutung der Zweigbahn Gotha – Leinefelde für die Postbeförderung.

Autor: Klaus-Dieter Erdmann, BSV Gotha 1890 e.V.

5. Gotha vor 75 Jahren – Drei postgeschichtliche Belege

Autor: Dr. Wolfgang Steguweit, BSV Gotha 1890 e.V.

6. Feldpostämter (Army Post Office) der US-Streitkräfte von April bis Anfang Juli 1945 in Thüringen

Autor: Dr. Wolfgang Steguweit, BSV Gotha 1890 e.V.

7. Postgeschichtlich-philatelistische Besonderheiten zum 8. Mai 1945

Autor: Dr. Wolfgang Steguweit, BSV Gotha 1890 e.V.

8. Prof. Dr. med. Erwin Otto Eduard von Bälz ein berühmter deutscher Mediziner in Japan“

Autor: Wolfgang Woelk, BSV Gotha 1890 e.V.

9. Post- und Zeitungsversand der Gothaer Botenanstalt Mevius

Zur Erinnerung an Eckehard Fromm (1944-2019) und Kurt Link (1926-2014)

Autor: Dr. Wolfgang Steguweit, BSV Gotha 1890 e.V.
Abb. 1: Adresse des Briefes
Abb. 2: Anna Schmidt an Georg Melchior von Wangenheim 1627

1.  Postverkehr und Nachrichtenübermittlung in Gotha vor 400 Jahren

Ein Brief des Jahres 1627 aus Gotha an Georg Melchior von Wangenheim (1580-1631), Herr zu Tüngeda, den ich aus der ehemaligen Sammlung von Kurt Link (1925-2013) im Philateliehandel kürzlich erwerben konnte, enthält interessante Rückschlüsse zum Postverkehr und Informationsfluss jener Zeit, die ich gern zur Kenntnis und Diskussion gebe.

Doch bevor ich mich dem Brief widme, möchte ich einige Informationen zur damaligen Lebenssituation unserer Stadt voranstellen.

60 Jahre nach der Schleifung des Grimmenstein (1567) und der Belagerung Gothas kamen nur mühsam Leben und wirtschaftliche Erholung in Stadt und Umland. Die große Geldentwertung („Kipper- und Wipperzeit“) zu Beginn des Dreißigjährigen Krieges mit ihren Folgen wie Teuerung und Hungersnot waren noch nicht überwunden, da suchte 1625/26 eine Pestwelle auch die ehemalige Residenzstadt heim. Deren Landesherr Johann Friedrich II. (der Mittlere) verbüßte lebenslängliche Haft in kaiserlichem Gewahrsam. Sein Sohn und Nachfolger für das neu gebildete Herzogtum Sachsen-Coburg (mit Gotha) Johann Casimir (geb.1564, reg. 1572-1633) residierte in Coburg und wenn er über den Thüringer Wald kam, nahm er auf Schloss Tenneberg vorübergehend Wohnsitz. Zu allem Ungemach kamen Durchzüge kaiserlicher und schwedischer Truppen, verbunden mit Plünderungen und menschlichem Leid der Bewohner.

Lebensnotwendig waren Informationen aus nah und fern. Man musste wissen, was auf einen zukam, um halbwegs Vorsorge treffen zu können. Aber seit wann und wie kamen Nachrichten mit wichtigen Informationen aus der Ferne nach Gotha, und wer konnte sich solche Bezahldienste überhaupt leisten? Eine lokale Presse existierte noch nicht, erst 1693 erschienen „Gothaische-woechentliche eingelauffene Gazetten“. Erfurt druckte zwar früher Informationen, aber auch erst seit 1642 „Ordinari wochentliche PostZeitungen“.

Da war es eine in die Zukunft weisende Entwicklung, dass das fürstliche Haus Taxis (seit 1650 Thurn und Taxis) als Generalpostmeister des Reichs bereits im Jahre 1615 auch einen Postkurs von Frankfurt/Main nach Leipzig mit Reichspoststationen in Fulda, Vacha, Eisenach, Gotha, Erfurt eröffnete. Im selben Jahr 1615 erschien die erste Nummer einer wöchentlichen „Frankfurter Kayserl. Reichs-Ober-Post-Amts-Zeitung“ (kurz „Wöchentliche Zeitung“). Dieses Mitteilungsblatt enthielt die wichtigsten Neuigkeiten aus europäischen Hauptstädten und berichtete seit 1618 zunehmend auch über den Verlauf des Krieges.

So konnte der Leser in Thüringen im Dezember 1626 erfahren, dass kaiserliche Truppen in weimarischen und schwarzburgischen Orten Quartier nahmen, „deßwegen großes flehen in den Stätten und seynd die Strassen sehr unsicher…“.

Nun zu unserem Brief, den ich im Original abbilde. Eine Anna Schmidt aus Gotha schrieb am 22. September 1627 an den „Wohledlen Gestrengen undt Vesten“ Georg Melchior von Wangenheim folgendes:

Erinnern sich guetger maßen, wie daß er nunmehr ein Jahr her die Zeittung von mir bekommen, weil aber (Anrede) solche in 3 oder 4 wochen nicht abholen laßen alß bin ich gesinnet, wofern solche (Anrede) nicht lenger begeret bey der Post abzuschreiben laßen Undt dem H. Postmeister seine gebühr über zu senden alß wirdt (Anrede) mir mit 3 fl wie für ein Jahr geschehen Willfahren wofern sie aber von (Anrede) begeret können sie Ihme noch zur Zeit überschicket werden. Hiermit Göttlich obacht empfehlendt. Signatum Gotha am 22. Septemb. 627

Anna Schmidt“

Was ist daraus an postgeschichtlich für Gotha bedeutsamen Informationen zu entnehmen:

  • Die in Frankfurt gedruckte wöchentliche Zeitung“ wurde auf dem Postkurs für die jeweiligen Reichspoststationen mitgeführt.
  • Die Postmeister der jeweiligen Stationen schrieben die Zeitung ab und besserten ihre kärglichen Einkünfte durch den Verkauf der Abschriften an Interessenten auf. Einer von ihnen war in Gotha der sachsen-gothaische Steuereinnehmer Georg Melchior von Wangenheim. Der Name des damaligen Postmeisters ist nicht bekannt.
  • Anna Schmidt war offenbar die Botin, die die Abschriften von Gotha seit 1626 nach Tüngeda oder einem anderen Sitz der Wangenheims brachte. Die später für den Zeitungsvertrieb aus Gotha wichtige und namhafte Botenanstalt Mevius nahm ihren Betrieb erst im Jahre 1691 noch unter dem Vorläufer, dem Buchhändler August Boetius auf.
  •  Anna Schmidt erbat wie im Jahr zuvor für ihre Dienste drei Gulden. (Der in Sachsen im Rechnungswesen gebräuchliche meißnische Gulden zu je 21 Groschen entsprach einem 7/8tel Taler zu 24 Groschen.)
  • Wangenheim hatte offenbar das „Abonnement“ eingestellt, war zumindest wegen der Zahlung in Verzug geraten. Der Ausgang ist nicht überliefert.

Abb. 1: Briefliche Vorladung zur Sitzung der Landstände 1647 nach Gotha

Abb 2: Briefkuvert der Vorladung zur  Sitzung der Landstände 1647 nach Gotha

Abb. 3: Friedensgroschen Gotha 1650

2.  Briefliche Vorladung zur Sitzung der Landstände 1647 nach Gotha

Das siebente Regierungsjahr des neuen Landesherren von Sachsen-Gotha war alles andere als entspannt; die Zeit für Gotha und seine Bürger noch längst nicht friedlich. 1646 legte ein Brand große Teile der Innenstadt in Schutt und Asche, während die Bauarbeiten auf dem Burgberg für das neue Residenzschloss Friedenstein seit 1643 zusätzliche Unruhe und Belastungen mit sich brachten. (Wir Heutigen haben eine ungefähre Ahnung, wie eine aufgewühlte Innenstadt gewirkt haben mag.)

Der nahezu drei Jahrzehnte währende Krieg gewährte 1647 durch die Verhandlungen in Münster und Osnabrück kurzfristig und scheinbar eine Ruhepause. Doch man ahnte, das mit dem Abzug der marodierenden Söldnerheere noch Kummer und Leid für Stadt und Land bevorstanden, wenn erst der Friedensvertrag im Folgejahr (14. Oktober 1648) würde unterzeichnet sein.

Deshalb entschied Herzog Ernst, die Landstände einzuberufen, um Maßnahmen für bevorstehende Drangsalierungen festzulegen. Unter dem Datum vom 26. März erging das gedruckte Schreiben (Abb. 1, vormals Sammlung Kurt Link, Rückerwerbung aus dem Philateliehandel) auch an ein in Wangenheim ansässiges Mitglied dieses einflussreichen und weit verzweigten Landadels, Wolff Ernst von Wangenheim.

Das durch Boten übermittelte regierungsamtliche Schreiben ist auf dem Cuvert adressiert an „Unserm lieben getreuen Wolff Ernsten von wangenheimb doselbsten“. Rechts oben ist das Empfangsdatum „6. Aprilis 1647“ und links unten die Erinnerung „Auf den 3. May vor Fürstlicher Regirung zu erscheinen“ vermerkt (Abb. 2).

Die Beschlüsse der Sitzung der Landstände werden gelegentlich noch im Staatsarchiv Gotha recherchiert, das als Depositum ein umfangreiches Archiv der Herren von Wangenheim bewahrt.

Wie dringend geboten aber die Beratung mit getroffenen Maßnahmen besonders für die Wangenheims war, lässt uns Johann Georg August Galletti in seiner Geschichte Gothas von 1779 auf Seite 258 im ersten Band wissen:

Im Oktober des 1647sten Jahres (also sechs Monate nach der Beratung in Gotha) näherte sich das schwedische Heer dem Fürstenthum aufs neue und die wangenheimschen Dörfer Oesterbehringen und Hayna wurden besonders heimgesucht.“

Und weiter führt Galletti für die unmittelbare Zeit nach dem Friedensschluss aus:

Demungeachtet bezog ein Theil des schwedischen Heeres im Gothaischen und den benachbarten Gegenden die Winterquartiere und das Fürstenthum mußte nun seinen Beitrag zur Befriedigungssumme der Schweden aufbringen.

Erst nach dem vollständigen Abzug der Kriegsheere konnte auch in Gotha der Friedensschluss am 11. August 1650 begangen werden.

Angeblich jedes Schulkind erhielt einen gothaischen Friedensgroschen zum Gedächtnis im Sinne des ernestinischen Friedensgebot (Abb. 3):

Gott den Herren lobt und ehrt, der den Frieden uns beschert.

Fördert seine Furcht und Ehr, sonst besteht er nimmer mehr.“

3.  Eine künstlerisch gestaltete Blattsammlung zur Währungsreform 1948 in Thüringen

Eckehard Fromm zum 6. April 2020

Das Ende des Zweiten Weltkriegs vor 75 Jahren teilte Deutschland in vier Besatzungszonen. Drei Jahre später brachte die Währungsreform von 1948 postalische und philatelistische Provisorien besonders in der sowjetischen Zone hervor, begehrt und gesammelt bis zum heutigen Tag.

Im Vorfeld des großen Philatelistentags 2015 in Gotha, auf dem ich zu dem Thema den Festvortrag halten konnte, überließ mir der unvergessene Vorsitzende unseres Vereins und namhafte Philatelist Eckehard Fromm (6.4.1944 – 28.5.2019) eine 20 Blatt umfassende, künstlerisch gestaltete Sammlung zur Währungsreform von 1948 zum „Freundschaftspreis“. Zur dankbaren Erinnerung an ihn stelle ich die Sammlung hier erstmals vor.

Von dem Philatelisten und ehemaligen philatelistischen Prüfer mit Spezialgebiet Bezirksstempel, Prof. Jobst von Heintze, erfuhr ich, dass diese Sammlung sein in Eisenach lebender Vater Jobst von Heintze (1906-) um 1950 angelegt hatte. Auch die gestalterischen Vorentwürfe gingen auf ihn zurück. Ein damaliger künstlerisch veranlagter Bekannter und Mitarbeiter der Oberpostdirektion Erfurt mit Namen Wöllmann hatte möglicherweise die Ausführung besorgt. Die Ausstellungsblätter gelangten von Eisenach nach Gotha an den befreundeten Apotheker und ambitionierten Philatelisten Wilhelm du Roi (1893-1978) und zuletzt an Eckehard Fromm.

Die Sammlung ist nach 20 thüringischen Hauptpostorten gegliedert und in dieser Reihenfolge nummeriert.

Nordhausen, Heiligenstadt, Sondershausen Mühlhausen, Apolda, Erfurt, Gotha, Eisenach, Altenburg, Gera, Jena, Weimar, Schleiz, Saalfeld, Ilmenau, Suhl, Bad Salzungen, Sonneberg, Hildburghausen, Meiningen.

Unter dem Symbolbild des jeweiligen Hauptpostortes sind auf einer Karte diejenigen Postämter vermerkt, die Handstempel einsetzten und damit die ansonsten nur noch ein Zehntel wertenden Marken vollgültig machten. Dieses Provisorium in der gesamten SBZ galt 17 Tage vom 23. Juni bis zum 10. Juli. Danach kamen Marken mit dem dreizeiligen Maschinenaufdruck „Sowjetische Besatzungszone“ zum Einsatz. Parallel dazu konnten aber die bisherigen Marken zu einem Zehntel aufgebraucht werden. Dafür ist der Begriff der „Zehnfachfrankatur“ bekannt.

Insgesamt zieren auf den Blättern 286 mit Handstempeln versehene Marken dekorativ die Randleisten. Auf Vollständigkeit kam es dabei nicht an, denn insgesamt nahmen 107 Postämter Thüringens (OPD 16 Erfurt) Aufwertungen der Briefmarken der Ziffernserie (1946) und der Bilderserie (1947/48) mittels Handstempel vor. Es existieren ca. 337 Bezirksstempel mit ca. 5000 Marken von 2 Pfennig bis zu Markwerten aufwärts der beiden Dauerserien, einschließlich einiger Sondermarken wie Hannovermesse oder Heinrich von Stephan.

Die 286 Marken sind sämtlich geprüft (v. Heintze BPP) und zum größten Teil als echt markiert.

Zur Währungsreform 1948 in philatelistischer Hinsicht zuletzt:

Steguweit: Die Währungsreform 1948 – Ein unerschöpfliches und interessantes philatelistisches und postgeschichtliches Sammelgebiet. In: Thüringen-Philatelie. Verbandsnachrichten 2018/1, S. 23-35.

Ders.: Der Weg zur Währungsreform von 1948 in der sowjetischen Besatzungszone. Zeitgeschichtliche Beispiele aus Thüringen. In: Zeitschrift für Thüringische Geschichte. Band 73 (2019), S. 151-171.

Schlepptender-Dampflokomotive der Dienst-Nr. 80-82 der ThEG („Langensalza“, „Mühlhausen“ und „Leinefelde“) der Gotha – Leinefelder Zweigbahn um 1870 nach einer Handzeichnung von Peter König, Aue.
Hersteller Henschel & Sohn Kassel 1870. Bauart: 1 B
Quelle: Aus „120 Jahre Zweigbahn Gotha-Langensalza- Mühlhausen–Leinefelder von Günter Fromm; Heft 22, HAINICH-HEIMATHEFTE 1992
Quelle: Aus Info „Die Bahn baut für Thüringen“

 

4.   150 Jahre Zweigbahn Gotha – Langensalza – Mühlhausen – Leinefelde

11.  April 1870 – 11. April 2020

Am 11. April 2020 jährt sich zum 150. Male die Eröffnung, des 39,9 km langen Abschnittes von Gotha bis Mühlhausen, der Gotha – Leinefelder Eisenbahn.

Mit der Inbetriebnahme des III. und letzten Bauabschnittes von Mühlhausen – Leinefelde am 3. Oktober 1870 war die 67,1 km lange Eisenbahnstrecke von Gotha nach Leinefelde durchgängig fertiggestellt.

Der Bau und Betriebsführung dieser Zweigbahn oblag der Thüringer Eisenbahn Gesellschaft (ThEG), einer Privatbahngesellschaft.

Die herzogliche Residenzstadt Gotha verfügte mit der Eröffnung der Thüringischen Eisenbahn zwischen Erfurt – Gotha (28 km) am 10. Mai 1847 und Gotha – Eisenach (29 km) am 24. Juni 1847 ab diesem Zeitpunkt über einen zweiten Bahnanschluss.

Mit der Betriebsaufnahme der Zweigbahn Gotha – Leinefelde war eine weitere Nord-Süd-Querverbindung von der Thüringer Stammbahn Halle (Saale) – Eisenach – Gerstungen der ThEG zur Halle – Casseler Bahn geschaffen. Zwischen 1890 und 1913 erfolgte der Bau einer Reihe abzweigender Bahnlinien.

Bis 1945 diente diese eingleisige Hauptbahn hauptsächlich dem regionalen Reise- und Güterverkehr. Bis zur kriegsbedingten Einstellung verkehrten auch einzelne D- und Eil-Züge des Fernverkehrs von Erfurt nach Hannover über diese Strecke.

Zu DDR-Zeiten hatte die Strecke für den Reise- und Güterverkehr zunehmend an Bedeutung gewonnen. Bis Anfang der 1970’er Jahre bedienten fast ausschließlich Personenzüge die Bahnhöfe und Haltepunkte zwischen Gotha und Leinefelde bzw. von Erfurt nach Bad Langensalza über – Döllstädt. Danach gab es wieder planmäßig Eil-Zugverbindungen zwischen Erfurt und Leinefelde auf dieser Strecke. Den Schwerpunkt bildete der ständig wachsende Güterverkehr. Am Bahnhof Mühlhausen entstand in dieser Zeit ein Container-Umschlagplatz.

Nach der Wiedervereinigung gewann die Strecke mit dem Lückenschluss der Bahnstrecke zwischen Arenshausen und Eichenberg für den regionalen und überregionalen Schienenpersonennahverkehr in der Relation Kassel / Göttingen wieder an Bedeutung. Der Güterverkehr hat seit dieser Zeit an seiner Bedeutung verloren.

In den 1990’er Jahren wurde Bahnstrecke Leinefelde – Gotha umfangreich im Rahmen des Vorhabens „ÖPNV-Musterstrecke Nr. 1“ für Neigetechnik bis 160 km/h ausgebaut und modernisiert.

Heute verkehren auf dieser Strecke Züge der Expresszugverbindung RE 1 Göttingen – Leinefelde – Erfurt – Gera – Altenburg/Glauchau und die Regionalbahnlinien RB 2, RB 52 und RB 53.

Perspektivisch gewinnt die Strecke Gotha – Leinefelde, mit der vorgesehenen Elektrifizierung im Rahmen der Schienenprojekte zum Bundesverkehrswegeplan (BVWP) weiter an Bedeutung.

Mehr zur Geschichte dieser Eisenbahnlinie ist der Broschüre: Günter Fromm: 120 Jahre Zweigbahn Gotha–Langensalza–Mühlhausen–Leinefelde. Verlag Rockstuhl, Bad Langensalza 1992, ISBN 3-929000-20-2 zu entnehmen.

Bedeutung der Zweigbahn Gotha – Leinefelde für die Postbeförderung

Der Bau neuer Eisenbahnstrecken förderte nicht nur den industriellen Aufschwung der Städte Gotha, Langensalza, Mühlhausen und Leinefelde sondern revolutionierte auch das Postwesen in dieser Region.

Die Aufnahme des Bahnpostverkehrs auf der Stammstrecke der Thüringer Eisenbahn von Halle (Saale) nach Eisenach begann bereits am 1. Mai 1849. Zuständig war das preußische Post-Speditions-Amt VI in Halle (Saale).

Mit Eröffnung der Zweigbahn Gotha – Mühlhausen am 11. April 1870 begann die Postbeförderung mit der Eisenbahn auf dieser Strecke.

Nach Betriebsaufnahme weiterer, von dieser Strecke abzweigender Bahnen, folgte auch dort die Postbeförderung mit der Eisenbahn und die postalische Erschließung der umliegenden Ortschaften.

Die Zweigbahn Gotha – Leinefelde war dem Leitbereich des Postamtes Gotha 2 zugeordnet. Zu denen ab 1889 auch die abzweigenden Nebenbahnen Ballstädt (Krs. Gotha) – Gräfentonna – Herbsleben – (Straußfurt) und Bufleben – Friedrichswerth gehörten.

Für jede dieser Strecken wurde ein eigener Bahnpoststempel eingeführt.

In der beigefügten Bildergalerie sind einige ausgewählte Blätter aus meiner Motivsammlung zur Geschichte der Bahnpost enthalten. Speziell zur Postbeförderung mit der Eisenbahn auf der Thüringer Stammstrecke Halle (Saale) – Eisenach und der Gotha – Leinefelder Zweigbahn bis zu ihrer Einstellung in den 1960’er Jahren.

5.  Gotha vor 75 Jahren – Drei postgeschichtliche Belege

1. Ein Briefcuvert vom 24. 2. 1945 von Gotha nach Solingen als „Überroller“

Aus der Gothaer Werkzeugmaschinenfabrik Looß & Hempel wurde am 24. 2. 1945 ein Brief nach Solingen-Ohligs adressiert, frankiert mit der Marke der Hitlerdauerserie zu 12 Pf. (Fernverkehr bis 20 g) und Sonderstempel „Gotha bekannt durch Versicherungsbanken“ mit Kennbuchstaben „e“ (bekannt ist der Stempel auch mit Buchstaben „t“ und „w“). Erhalten hat sich das Cuvert.

Eine geordnete und reguläre Zustellung in Solingen war offenbar Ende Februar nicht mehr möglich, und mit dem Fortschreiten des Frontverlaufs wurde sie zunächst ganz eingestellt.
Am 16./17. April nahm die amerikanische Armee Solingen ein und überstellte nach Prüfung die „alte Post“. Der Prüfstempel „Military Censorship / Civil Mails“ und die fünfstellige Kontrollziffer 12349 verweisen auf die Zensurstelle Offenbach in der amerikanischen Zone. Weitere Hauptprüforte der Amerikaner waren Esslingen und München, auch Nürnberg und Bremen. Die Prüfstempelnummern umfassen den Zahlenbereich zwischen 10000 und 15750.

Am 28. 5. 45 löste die britische Besatzung die amerikanische in Solingen ab.
Der Brief wird demnach zwischen dem 17. April und 28. Mai 1945 dem Empfänger überstellt worden sein.

Abb. 1
Abb: Werbeplakat 1920er Jahre (Mitteilung Matthias Wenzel)

Der Mitinhaber der 1911 in der Kindleber Straße gegründeten Fabrik, Karl Hempel, beging im April 1946 Suizid (Hinweis von Matthias Wenzel). Die für Bohr- und Schleifmaschinen bekannte Werkzeugmaschinenfabrik wurde 1972 verstaatlicht, ein Reprivatisierungsversuch nach der Wende scheiterte.

Weiterführende Literatur zur Postzensur: Karl-Heinz Riemer: Die Postzensur der Alliierten im besetzten Deutschland nach dem II. Weltkrieg. (Poststempelgilde Rhein-Donau e.V.) 1977.

2. Gothaer Lebensumstände 1945 auf einer Postkarte nach Pirna

Von den acht Bombardements der US-Luftflotte zwischen Februar 44 und April 45 war der Angriff vom 10. März 45 besonders für die Innenstadt von Gotha verheerend. Straßenquartiere zwischen Mönchelstraße und Margarethenstraße lagen in Trümmern.

Eine Bewohnerin der Margarethenstraße 19 berichtete am 15. September 45 nach Pirna:

„Wir haben im Frühjahr schwere Wochen erlebt. Am 10. März hat eine Mine unsere halbe Straße in Schutt gelegt. Wir haben bis heute noch keine Fenster im Haus. Von unserem Vati seit 11. März keine Nachricht. Es ist so zermürbend … Meine Tante in Dresden ist mit ihrer Familie auch mit dem Leben davon gekommen …“

Wo gegenüber dem Löfflerhaus im ehemaligen Gerberviertel einst die Margarethenstraße 19 stand, wird zur Zeit eine Seniorenwohnanlage errichtet.

Die schlichte Karte enthält den Versicherungssonderstempel vom 15.9.45 und als Barfreimachung den Zusatzstempel „Gebühr bezahlt“. Die erste Thüringer Briefmarke zu 6 Pf. wurde erst am 1. Oktober verausgabt.

Abb. 2 a
Abb. 2 b

3. Briefcuvert eines US-Militärangehörigen aus Gotha nach Chicago vom 13. Juni 1945

Gotha wurde am 4. April 1945 von den Amerikanern eingenommen. Die Befreiung der Stadt ist mit dem Namen Josef Ritter von Gadolla, dem Wehrmachtsstandortältesten und Kampfkommandanten Gothas verbunden, der für seine mutige Tat, die Stadt kampflos zu übergeben, von einem Wehrmachtsstandgericht in Weimar am 5. April 1945 hingerichtet wurde.

Abb. 3

Der Gefreite (Abkürzung des Dienstgrads PFC = Private First Class) B.O. Garza der 102. amerikanischen Infanteriedivision war zwischen dem 28. Mai und 5. Juli (!) 1945 in oder bei Gotha (Siebleben) stationiert. Am 13. Juni schrieb er von dort an eine Miss Jane Hathaway nach Chicago. Der Brief wurde als Luftpost des US-Militärs befördert. Leider ist der Briefinhalt nicht mit dem Cuvert erhalten.
Der Poststempel „U.S. Army Postal Service“ des Feldpostamtes APO (Army Post Office ) nennt das Datum und die Divisionsnummer, nicht aber den Postaufgabeort. Lediglich aus dem Datum und der Divisionsnummer lässt sich die Stationierung der Division im Raum Gotha am 13. Juni lokalisieren.

Eckehard Fromm gibt Siebleben in seiner Broschüre „Gedanken zur Geschichte der Post in Siebleben“ (2006) an. Dort ist auch der Brief auf S. 31 abgebildet (Slg. Steguweit, ehemals Slg. Fromm).

Weiterführende Literatur:

Alfred Meschenmoser: Die Amerikaner in Deutschland. Eine Studie über die Post im amerikanischen Herrschaftsbereich (Schriftenreihe zur Philatelie, Nr. 6). Essen 1985.

Ders.: Die Amerikaner in Deutschland – September 1944 bis Dezember 1945. Eine philatelistisch-zeitgeschichtliche Studie über die Post im US-Herrschaftsbereich (Studien zur Philatelie und Postgeschichte, Heft 17). Schwalmtal 2002.

6.  Feldpostämter (Army Post Office) der US-Streitkräfte von April bis Anfang Juli 1945 in Thüringen

Im vorigen fünften Beitrag ist ein am 13. Juni 1945 in Gotha vom Feldpostamt APO 102 der 102. US-Infanteriedivision gestempeltes Kuvert abgebildet und beschrieben. Ein Gefreiter mit Heimatadresse New York frankierte den Luftpostbrief mit 6 Cent und adressierte ihn nach Chicago. Hier noch einmal zur besseren Sicht der Feldpoststempel des APO 102 vom 13. Juni 1945.

Der MDR widmete dieser Tage eine Beitragsfolge dem Vormarsch der US-Streitkräfte in den ersten 16 Apriltagen des Jahres 1945.

https://www.mdr.de/thueringen/kultur/zeitgeschehen/kriegsende116.html

Abb. Stempel des Army Post Office 102 vom 13. Juni aus dem Stationsraum Gotha

Bereits in der Nacht zum Ostermontag, dem 2. April, überquerten US-Truppen die thüringische Grenze und eroberten Creutzburg nach heftigem Widerstand der Wehrmacht. Zwei Tage später standen die Amerikaner vor Gotha und nahmen die Stadt am 4. April ein. Der Kampfkommandant Josef Ritter von Gadolla bezahlte die kampflose Übergabe mit seinem Leben (siehe den vorigen Beitrag).

Der militärisch wie politisch nicht unumstrittene Viersterne-General George S. Patton (1885-1945) besetzte als Oberbefehlshaber der 3. Armee mit etwa 300.000 Mann Thüringen, nachdem die Armee mit ihren Corps und Divisionen seit Ende März bereits in Hessen operiert hatte.

https://www.merkur.de/lokales/regionen/pattons-wahnwitziger-plan-229538.html

Die seit Mitte April in den jeweiligen Stationsorten eingerichteten Feldpostämter der US-Streitkräfte belegen den massiven Vormarsch der Militärverbände mit ihren Führungsstrukturen durch Thüringen besonders im Monat April, also noch vor der Kapitulation am 8. Mai.

Solche „nach Hause“ gesandte US-Militärpost von April bis Juni 45 ist in deutschen Sammlungen kaum anzutreffen. Dank der Forschungen von Alfred Meschenmoser (Literatur im vorigen Beitrag) und weiterer Philatelisten sind die Feldpostämter der US-Streitkräfte in Deutschland relativ gut dokumentiert. Einige Auflösungsdaten des jeweiligen APO sind noch fraglich. Nachfolgend sind die auf thüringischem Gebiet eingerichteten APO’s mit den jeweiligen Aufenthaltsdaten der Truppenverbände aus der Publikation Meschenmosers herausgezogen. Es wäre erfreulich, wenn sich bei thüringischen Philatelisten weitere Belege aus „Rückführungen“ von den USA nach Deutschland nachweisen ließen.

Bezeichnungen

APO (Army Post Office)

Armeecorps (Army Corps)

Infanteriedivision (Infantry Division)

Panzerdivision (Armored Division)

Taktisches Luftkommando (Tactical Air Command)

Stationierungen April 45

10.4.-13.4.   Vacha                          APO 312 (XII Army Corps)

11.4.-22.4.   Mühlhausen             APO 256 (6. Armored Division)

13.4.-16.4.   Meiningen                APO 261 (11. Armored Division)

13.4.-20.4.   Meiningen                 APO 312 (XII Army Corps)

11.4.-17.4.   Wasungen                 APO 26 (26. Infantry Division)

17.4.-23.4.   Suhl                              APO 26 (26. Infantry Division)

13.4.-20.4.   Gotha                         APO 80 (80. Infantry Division)

13.4.-28.4.   Gotha                         APO 254 (4. Armored Division)

15.4.-19.4.   Langensalza              APO 76 (76. Infantry Division)

15.4.-20.4.   Arnstadt                     APO 89 (89. Infantry Division)

16.4.-19.4.   Waltershausen        APO 65 (65. Infantry Division)

15.4.-28.4.   Gerstungen              APO 225 (Division?)

15.4.-17.4.   Bad Salzungen         APO 646 (Division?)

16.4.-20.4.   Hildburghausen      APO 360 (71. Infantry Division)

16.4.-27.4.   Ohrdruf                      APO 577 (Division?)

17.4.-27.4.   Gotha                         APO 340 (XX Army Corps)

17.4.-28.4.   Gotha                         APO 150 (Division?)

17.4.-24.4.   Meiningen                APO 646 (Division?)

17.4.-20.4.   Heldburg                    APO 446 (14. Armored Division)

17.4.-23.4.   Ohrdruf                      APO 308 (VIII Army Corps)

18.4.-25.4.   Eisenach                     APO 179 (Division?)

19.4.-24.4.   Arnstadt                     APO 65 (65. Infantry Division)

23.4.-20.5.   Pössneck                    APO 308 (VIII Army Corps)

27.4.-28.4.   Pössneck                   APO 577 (Division?)

27.4.-29.4.   Eisfeld                         APO 445 (97. Infantry Division)

Stationierungen Mai bis Anfang Juli 1945

29.4.-15.6.   Eisenach                     APO 299 (Division?)

1.5.-25.6.   Weimar                         APO 595 (IX Tact. Air Command)

4.5.-5.7.   Weimar                           APO 82 (Division?)

4.5.-12.5.   Weimar                         APO 56 (Division?)

5.5.-9.5.   Apolda                             APO 259 (9. Armored Division)

11.5.-03.7.?  Eisenach                   APO 588 (Division?)

12.5.-20.6.   Weimar                      APO 145 (Division?)

18.6.- ?   Weimar                             APO 56 (Division?)

19.5.-12.6.   Gotha                         APO 89 (89. Infantry Division)

20.5.-3.7.   Weimar                         APO 308 (VIII Army Corps)

28.5.-3.7.?   Gotha                          APO 102 (102. Infantry Division)

01.6.-3.7.?  Pössneck                     APO 30 (30. Infantry Division)

Postgeschichtliche Literatur mit Bezug zu Thüringen 1945 ohne Erwähnung der Feldpostämter der US-Streitkräfte:

Günter Beer: Die Einstellung und Wiederaufnahme des Postbetriebes in Thüringen 1945 (Verein Thüringer Postgeschichte e.V.). Rundbrief 19, 2007, S. 2-14.

7. Postgeschichtlich-philatelistische Besonderheiten zum 8. Mai 1945

In den beiden letzten Kriegsmonaten kam der private Postverkehr auch in Gotha zum Erliegen. Im fünften Beitrag der Rubrik „Sammelgebiete“ wurde ein Brief von Gotha nach Solingen als Überroller vorgestellt, am 24. 2. 45 gestempelt, aber erst nach der amerikanischen Besetzung Solingens und Prüfvermerk Mitte April zugestellt (überrollt).

In Thüringen wurde der private Postverkehr Anfang April durch amerikanische Truppen gänzlich unterbunden und erst nach dem Besatzungswechsel im Juli nach und nach zugelassen. „Alte Post“ wurde im Idealfall ausgehändigt.

Abb. 1 Brief 27.3.45 von Heubach nach Waltershausen als Überroller? (Slg. Steguweit)

Aus Heubach im Ostalbkreis – Briefleitgebiet 14 – wurde am 27.3.45 ein Brief nach Waltershausen/Thür. – Briefleitgebiet 15 – mit 12 Pfennig portogerecht frankiert und gestempelt. Die Schwärzung der Hitlermarke deutet auf eine nachträgliche Unkenntlichmachung (Überroller?) hin, so dass der Brief vermutlich erst unter alliierter Besetzung ausgehändigt worden ist. Ein Ankunftsvermerk fehlt allerdings, und da es kein eingeschriebener Brief ist, enthält der Brief auch keinen Ankunftsstempel.

Die Wiederaufnahme des privaten Postverkehrs in der sowjetischen Besatzungszone erfolgte in Gotha am 19. Juli 1945. Dieses Thema wird im Juli mit Belegen auf der Website ausführlicher vorgestellt werden.

Zu den Beschwernissen am Kriegsende trugen zwar die Beschränkungen im Postverkehr nicht unerheblich bei, weil die Nachrichtensperre Ängste und Sorgen um den Verbleib von Angehörigen verstärkte. Vor allem aber waren es die katastrophalen Lebensumstände, die noch lange wirkten.

Im ersten Band des neuen Jahrbuch Gothas „Gotha Illustre“ (2018, S. 74-85) habe ich Briefe der Gothaerin Ruth Wieczorek an ihren Mann in schottischer Kriegsgefangenschaft publiziert. Nach langer Ungewissheit erreichte die erste Karte mit Poststempel Gotha 1 (Hauptpost) vom 22.2.46 den Ehemann in Kriegsgefangenschaft, der sie nach der Entlassung 1948 mitbrachte.

Abb. 2 Kriegsgefangenenkarte 22.2.46 von Gotha nach Perthshire/Schottland

Etwas später schrieb die Gothaerin:

Ich hatte ungefähr 50 Briefe zurückbekommen, alle mit dem Vermerk „Neue Anschrift abwarten … das Leben ist kein Vergnügen, und die Zukunft ist grau und öde. Es gibt keinen Lichtschimmer, nicht einmal für unsere Kinder. … Wenn Du nach Deutschland kommst, fall nur nicht auf den Rücken. Jeder ist dem anderen sein Deibel. Ja, das bringt eben die furchtbare Zeit und die Not mit sich.“

Auch für Philatelisten war die damalige Zeit grau und öde, wenn man an das geliebte Hobby mit existentieller Not überhaupt denken konnte. Monatelang gab es seit Juli 1945 in Thüringen und somit auch in Stadt und Land Gotha nur die Möglichkeit der Barfreimachung. Die erste Marke zu 6 Pfennig erschien am 1. Oktober (Michel 95), die anderen Werte von 3 bis 30 Pfennig nach und nach bis zum 4.1.46.

Abb. 3 Postkarte 8.5.45 Gräfenroda (Slg. Steguweit)

Ein pfiffiger damaliger Zeitgenosse mit Namen Paul Kamerowski in Gräfenroda, Kr. Gotha, ließ sich etwas einfallen und erfand interessante Belege mit dem bedeutsamen Datum des 8. Mai 1945. Die Tatsache, dass es einen privaten Postverkehr an dem Tag nicht gab, erhob seine philatelistische Machwerke zu einer Rarität.

Er nahm Ganzsachenkarten, die die Reichspost 1943/44 (Michel P 312/09) mit einem Propagandavordruck verausgabt hatte: „Der Führer kennt nur Kampf, Arbeit und Sorge. Wir wollen ihm den Teil abnehmen, den wir ihm abnehmen können.“.

Als Absender gab K. die Waldstraße 29 in Gräfenroda an, bis Mitte der 1960er Jahre eine Schankwirtschaft. Wie mir das Mitglied unseres Vereins, Jürgen Orttmann, freundlicherweise mitteilte, ist der Name Kamerowski in Gräfenroda seines Wissens nicht bekannt; zumindest taucht der Name in den Steuerbüchern jener Zeit nicht auf.

Der Poststempel ist zweifellos echt, lediglich das Datum wird absichtsvoll eingestellt sein. Zudruck und Marke sind geschwärzt und vermitteln einen authentischen Eindruck. Adressiert ist die Karte an eine Erna Fillmann im Hotel „Deutscher Hof“ in Gräfenroda.

Der Autor heimatgeschichtlicher Literatur für Gräfenroda, Hubert Beyer, bildet in einer Broschüre mit dem Titel „Zur Geschichte der Post in Gräfenroda“ (Beiträge zur Heimatgeschichte 8, 2015, hier S. 60-61) zwei weitere „Belege“ mit gleichem Datum und Uhrzeit 7-8 ab.

Abb. 4 Postkarte 8.5.45 Gräfenroda (Slg. Siefert, Gräfenroda)

Einer davon ist weitgehend mit Abb. 3 identisch, enthält lediglich eine andere Adresse (Clara Kamerowski, Oschatz, Bergstr. 1 bei Oberschulrat Herold).

Eine weitere Karte nennt als Absender Paul Kamerowski in der Ohrdrufer Str. 2 anstelle Waldstr. 29.

Marke und Zudruck sind auf dieser Karte merkwürdigerweise nicht geschwärzt! Adresse auch hier das Hotel „Deutscher Hof“, aber mit anderem Empfängernamen Kurt Schumacher. Der fingierte „Eingangsstempel“ vom 8. Mai mit unsicherer Jahreszahl 194? und Stempel Drucksache statt geschwärztem Wort Postkarte.

75 Jahre nach dem „Ereignis“ spiegeln solche „Belege“ einerseits die verworrenen Verhältnisse der Zeit am Ende des zweiten Weltkriegs wider mit allen möglichen spekulativen Ideen und Absichten, andererseits schulen sie den kritischen Blick für vielfältige philatelistische Besonderheiten in den ersten Nachkriegsjahren auch und besonders in Thüringen.

8.  Prof. Dr. med. Erwin Otto Eduard von Bälz ein berühmter deutscher Mediziner in Japan

Erwin Otto Eduard von Bälz wurde am 13.01.1849 in Bietigheim im Königreich Württemberg geboren. Er starb am 31.08.1913 in Stuttgart und war ein deutscher Internist, Tropenmediziner und Anthropologe. Er war Leibarzt für das Japanische Kaiserhaus. Mit den ebenfalls aus Deutschland stammenden Chirurgen Wilhelm Schultze (1840-1924) und Julius Scriba (1848-1905) begründete er in Japan die moderne Medizin.

Er war der Sohn des Bauunternehmers Carl Gottlob Friedrich Bälz und Wilhelmine Caroline geborene Essig, Sein Bruder war der Jurist Dr. jur. Karl von Bälz (1860-1945). Karl Bälz besuchte in Stuttgart das Eberhard-Ludwigs-Gymnasium und studierte ab 1868 Medizin in Tübingen. Nach dem Physikum wechselte er nach Leipzig, wo er 1872 sein Studium abschloss. Im gleichen Jahr begann er seine Berufstätigkeit als Assistent des Internisten und Medizinhistoriker Carl Reinhold August Wunderlich (1815–1877) und dem Pathologen Ernst Leberecht Wagner (1829–1888). Er wurde 1872 in Leipzig promoviert und habilitierte dort 1876 mit einer Arbeit „Über akuten Gelenkrheumatismus“. In seiner Studienzeit war er Mitglied der Burschenschaft Germania Tübingen und im Krieg 1870/1871 als Feldarzt tätig. Während dieser Jahre lernte er u. a. den Mediziner Heinrich Botho Scheube (1853-1923) kennen.

personalisierte Briefmarke aus Japan, 2011, Michel-Nr. 4403 (In Japan erkennt man diese Marken daran, dass das eigentliche Markenbild mit einem Liniendurchstich ausgetrennt werden kann– sozusagen als Zeichen der Distanzierung vom amtlichen Anteil der Marke.)

Im Jahr 1876 wurde er in den Bund der Freimaurer aufgenommen und Mitglied der Stuttgarter Johannisfreimauerloge „Wilhelm zur aufgehenden Sonne“, der Großloge  „Zur Sonne“. Heute besteht diese in der Freimaurerloge „Furchtlos und Treu“ in Stuttgart, der Großloge der „Alten, Freien und Angenommenen Maurer von Deutschland (GLAFuAMvD)“, fort.

Über Kontakte mit einem japanischen Patienten wurde er 1876 als Kontaktausländer für zunächst zwei Jahre an die Medizinische Hochschule Tokio, ab 1877 die medizinische Fakultät der Universität Tokio, als Nachfolger des deutschen Arztes Agathon Wernichs (1843–1896) berufen. Als Hochschullehrer blieb er nahezu 30 Jahre in Japan und unterrichtete über 800 Schüler in der westlichen Schulmedizin.

Während seines Aufenthalts in Japan war er nicht nur als Universitätsprofessor tätig. Er wurde auch bei Sitzungen und Beratungen des japanischen Gesundheitsamts zu Rate gezogen und er führte die Aufsicht über die Universitätsklinik und unterhielt darüber hinaus eine eigene medizinische Praxis.

Auf Grund seiner medizinischen Fähigkeiten erhielt er in den 1890 er Jahren die Berufung zum beratenden Hofarzt und zum Leibarzt des japanischen Kronprinzen. Er besuchte im Sommer 1899 die koreanische Hauptstadt Seoul und die Hafenstadt Busan und nahm dabei ethnologische Untersuchungen vor. 1903 war er erneut in Korea und machte mit Richard Wunsch (1869-1911) eine Expedition ins Innere des Landes. 1902 hielt Bälz seine Abschiedsvorlesung an der medizinischen Fakultät der Universität Tokio. Sein Amt als Hofarzt versah er bis zu seiner Heimreise 1905. Zu seinem Abschied aus Japan wurde er vom japanischen Kaiser mit dem „Großkreuz der aufgehenden Sonne“ ausgezeichnet.

Zurück in Deutschland nahm Bälz seine ärztliche Tätigkeit nicht wieder auf, um sich seinen anthropologischen Studien zu widmen. Im Jahr 1907 wurde er zum ersten Vorsitzenden der neugegründeten Deutschen Gesellschaft für Tropenmedizin gewählt. Sein großes Projekt, ein Lehrbuch über die Menschen Ostasiens zu schreiben, konnte er nicht mehr verwirklichen, da er 1910 an einer Gefäßerkrankung zu leiden begann. 1905 wurde Erwin von Bälz das Kommenturkreuz des Ordens der Württembergischen Krone verliehen, mit dem der persönliche Adelstitel verbunden war. 1911 wurde er in die Deutsche Akademie der Naturforscher Leopoldina–Nationale Akademie der Wissenschaften in Halle an der Saale gewählt.

Er heiratete die Japanerin Hanako, mit der er zwei Kinder hatte. Sie lebte bis 1922 in Deutschland und danach zurückgezogen in Tokio, wo sie am 07.02.1937 verstarb.

Erwin Bälz gilt in der Medizingeschichte als Entdecker und Erforscher noch unbekannter Erkrankungen in Ostasien. Er brachte außerdem die deutsche Medizin durch seine langjährige Tätigkeit als Arzt und Professor in Tokio zu hohem Ansehen in Japan. Die Anthropologie verdankt ihm wichtige Publikationen und Forschungsbeiträge zu den Kulturen und Menschen Ostasiens. Darüber hinaus gilt er in Japan als Wegbereiter der modernen japanischen Medizin, als erwiesener Freund des japanischen Volkes und schließlich als kultureller Vermittler zwischen Deutschland und Japan.

Bis Mitte der 70er Jahre wurden in Japan aufgrund seines Einflusses die Krankenkarten in deutscher Sprache geführt. Auf seine Initiative hin wurden die vulkanischen Quellen von Kusatsu zu dem heute erfolgreichsten Kurort in Japan ausgebaut. Eine weitere Attraktion des Ortes ist das Erwin-Bälz-Museum. Am Ortseingang gelegen, kann man dort alles über das Leben und Wirken von Erwin von Bälz erfahren. Außerdem gibt es einen Shop mit Souvenirs aus Deutschland und Tschechien.

Außerdem widmete er sich sowohl anthropologischen als auch ethnologischen Studien, die er auf seinen Reisen durch Japan durchführte. Seine anthropologische und ethnologische Forschungstätigkeit in Japan wurde ihm durch seine Japanisch-Kenntnisse wesentlich erleichtert. Sowohl auf dem Gebiet der Medizin, Lehrbuch der Inneren Medizin, 1890, als auch auf dem Gebiete der Ethnologie bzw. Anthropologie leistete Bälz wichtige Beiträge. Er förderte die japanische Lebensart (Ju-Jutsu, Balneologie) und in Japan ein reges Interesse in Sachen Kunst und Poesie.

Er war ein leidenschaftlicher Kunstsammler, ein Großteil seiner japanischen Kunstwerke ist heute im Stadtmuseum Bietigheim-Bissingen und Linden-Museum in Stuttgart ausgestellt.

Am 27.02.1937 enthüllte man am Geburtshaus in Bietigheim eine Gedenktafel, sein Sohn Erwin-Toku Bälz hielt einen Vortrag, der über Kurzwellenradio nach Japan übertragen wurde. Aus Anlass seines 25. Todestages benannte die Stadt Stuttgart am 25.10.1938 die Olgastraße in Stuttgart-Degerloch zu seinen Ehren um.

Am 27.02.1937 enthüllte man am Geburtshaus in Bietigheim eine Gedenktafel, sein Sohn Erwin-Toku Bälz hielt einen Vortrag, der über Kurzwellenradio nach Japan übertragen wurde. Aus Anlass seines 25. Todestages benannte die Stadt Stuttgart am 25.10.1938 die Olgastraße in Stuttgart-Degerloch zu seinen Ehren um.

Quellen:  Wikipedia
„Ostasiatischer Lloyd“, Shanghai, 12.09.1913
„Biographisches Lexikon hervorragender Ärzte“, 1901
 www.delcampe.net
 Schwaneberger Verlag, Armin Forker
Wolfgang Möller, Waltershausen, OT Wahlwinkel
 Stadtmuseum Hornmoldhaus, Bietigheim-Bissingen, Andrea Kaufmann
Thematische Arbeitsgemeinschaft Medizin und Philatelie, Dr. Fritz Baumgardt

Der Autor beabsichtigt diesen Beitrag im Mitteilungsblatt September 2020 der Arbeitsgemeinschaft Medizin und Pharmazie im BDPh zu veröffentlichen.

9. Post- und Zeitungsversand der Gothaer Botenanstalt Mevius

Zur Erinnerung an Eckehard Fromm (1944-2019) und Kurt Link (1926-2014)

In heutiger Zeit, in der Paketdienstleister wie DHL, dpd, Hermes, ups quasi über Nacht Bestellungen liefern und die Dienstleistungen der Post im Briefverkehr neben privaten Anbietern wie pin ergänzen, fragt man sich, wie das wohl früher- sagen wir vor 300 oder 200 Jahren – ausgesehen haben mag.

Richten wir den Blick auf das Herzogtum Sachsen-Gotha-Altenburg. Hier in der „Hauptresidenz“ Gotha etablierte sich seit 1691 mit herzoglichem Privileg ein privates Transportunternehmen („Expedition“, „Botenanstalt“) zunächst für Zeitungen, das seit 1707 mit dem Inhabernamen MEVIUS verbunden ist. Der namentlich bekannteste Inhaber der Mevius’schen Expedition war Christian Mevius (1712-1754). Nach seinem frühen Tod steht der Stempel C.M.E. für Christian Mevius Erben.Unter der Bedingung, die „Herrschaftlichen Minister-Briefe und Paquete“ kostenfrei zu befördern, durfte Mevius auf eigene Rechnung Zeitungen (z.B. „Gothaische gelehrte Zeitungen“) drucken und vertreiben und auch Briefe in jene entlegenen Orte durch Boten transportieren lassen, die von den offiziellen Postämtern der kaiserlichen Reichspost, der Lehenspost Thurn und Taxis bzw. der herzoglich gothaischen Post nicht angeritten bzw. angelaufen wurden. Insgesamt gab es innerhalb Thüringens um 1720 bereits zehn verschiedene Botenkurse, die im Umkreis von 15 Meilen von Gotha (ca. 112 Kilometer; 1 gothaische Meile entsprach rund 7,5 Kilometer) Lieferungen besorgten. Damit avancierte im Laufe des 18. Jahrhunderts die Mevius’sche Botenanstalt zu einem der größten privaten Zeitungs- und Postdienstleister Deutschlands.

Je nach Entfernung ritten oder liefen die Mevius-Boten mit ihrer Post ein- bzw. zweimal die Woche. Deren Vergütung betrug pro Woche zwischen 18 und 24 Groschen. Prof Brief betrug das Porto lange Zeit durchweg einen Groschen und wurde entweder dem Empfänger (Porto) berechnet oder vom Absender (Franco) voraus bezahlt. Dazu kam ein „Botenlohn“ von 3 Pfennig, den der Briefempfänger dem Boten zahlte.

Die Zeitungen ließ die Botenanstalt auf eigene Rechnung drucken, berechnete den Abonnenten dafür eine quartalsweise, aber auch jährlich erhobene Gebühr und stellte Empfangsscheine aus. Diese Quittungen sind seltene Belege für den postgeschichtlichen Verkehr der Vorphilazeit.

Nach 150 Jahren endete am 31. März 1858 die Beförderungstätigkeit der Zeitungs- und Botenexpedition Mevius und wurde von der Lehenspost übernommen.

Kurt Link hatte mit seinen vielseitigen philatelistischen und postgeschichtlichen Interessen auch die von der Botenanstalt Mevius ausgestellten Zeitungsquittungen und Briefbelege gesammelt und im Philateliehandel erworben, die Geschichte der Botenanstalt Mevius erforscht und als Beilagen zu den Rundbriefen 109, 110, 112 und 113 des „Deutschen Altbriefsammler-Vereins e.V. in den Jahren 1992 und 1993 publiziert.

Eckehard Fromm konnte die Sammlung seines geschätzten Philateliefreundes später erwerben und gab im Jahre 2000 das Ergebnis der Forschungen Kurt Links im Zusammenhang mit „ausgewählten Blättern aus der Sammlung von Eckehard Fromm“ als Monografie unter dem Titel heraus:

Kurt Link: Expedition „C. Mevius Erben“. Handbuch / Katalog der Briefe, Stempel und Scheine. Herausgeber im Eigenverlag Briefmarken Fromm, Erfurt, 2000.

Das für vor- und altdeutsche Philatelie namhafte Stuttgarter Auktionshaus Peter Feuser versteigerte in der Auktion 70 am 14. November 2009 die Sammlung Link/Fromm unter der Rubrik „Die Privatpost C. Mevius Erben, Gotha“.

Zum Glück verblieb ein relativ großer Teil der ehemaligen Ausstellungssammlung Fromm im Bestand des Auktionshauses. Im vergangenen Jahr gelang es, die relativ umfangreich verbliebene „Restsammlung“ zu erwerben und somit nach Gotha an den Ursprungsort der Botenanstalt Mevius zurückzuholen.

Der Erinnerung an die beiden großen Philatelisten Gothas in der Nachfolge von Gaston Nerlich (1876-1929), einem der größten Altdeutschlandsammler, seien diese Zeilen mit einigen Meviusbelegen gewidmet.

Die ausgewählten vier originalen Seiten von ca. 100 Ausstellungsblättern der Sammlung Eckehard Fromm enthalten unterschiedliche Signaturen bzw. Stempel der Botenanstalt Mevius mit entsprechenden Erläuterungen.

Blatt 1: zwei frühe Belege des Übergangs der Botenanstalt an die Erben des Christian Mevius, Februar 1766. Der untere Beleg ist vom Redakteur und Geschäftsführer Trostbach gegengezeichnet.
Blatt 2: dem oberen Beleg sind der Jahresbeitrag für die Zeitungen (2 Reichstaler, 16 Groschen) sowie 16 Groschen für das Anzeigenblatt und 2 Groschen „Tranck Geld“ dem Boten zu entnehmen. Der untere Beleg für Lieferung nach Langensalza von 1780 enthält die handschriftliche Signatur „C. Mevius seel. Erben“
Blatt 3: Zeitungsscheine nach Sondershausen 1831 und nach Langensalza 1805, gedruckte Unterschrift C. Mevius Erben.
Blatt 4: Beide Belege nach Gräfentonna enthalten den seit 1825 verwendeten Stempel C.M.E. Besonders interessant ist die Innenseite des oberen Belegs. Er enthält eine Rechnungsankündigung des Franckenbergschen Krankenhauses Gotha (Franckenbergstraße, vor einigen Jahren abgerissen) nach Gräfentonna wegen Erstattung von Krankenhauskosten: „Der Zwang-Arbeiter Samuel Buttstädt hat abermals 48 Tage krank im von Franckenberg. Krankenhause zugebracht, für dessen Verpflegung und Kosten aufwand die Rechnung hierbey folgt, Unterzeichneter bittet den Betrag so bald als möglich zu entrichten. Gotha, 18. May 1831“ Die Rechnung selbst fehlt zwar, aber auf der Außenseite beider Belege nach Gräfentonna ist das Porto in Höhe von 1 Groschen, 3 Pfennige notiert, wobei die 3 Pfennige jeweils der Botenlohn waren.
Zu Blatt 4 (Innenseite)